Feldbrüter in der Agrarlandschaft

Der Landkreis Ludwigsburg ist aufgrund seines traditionellen Ackerbauschwerpunktes mit besten Böden und Klimagunst von überdurchschnittlicher Bedeutung für Offenlandbrüter. Zu diesen zählen unter anderem die Leitarten Rebhuhn, Feldlerche, Schafstelze, Wachtel und Grauammer.

Diese ursprünglich in Steppenlandschaften lebenden „Kulturfolger“ fanden in der durch den Menschen geschaffenen offenen Agrarlandschaft Mitteleuropas neue Lebensräume. Vor allem das vielfältige Nutzungsmosaik der traditionellen landwirtschaftlichen Nutzungsformen – wie der Dreifelderwirtschaft – bot diesen Arten ideale Lebensbedingungen. An die über die Jahrhunderte erfolgten langsamen Wandlungen der landwirtschaftlichen Nutzung konnten sich die Offenlandarten anpassen.

Mit dem seit Mitte des 20. Jahrhunderts im Zuge der Nutzungsintensivierung und des Strukturwandels in der landwirtschaftlichen Nutzung immer rapider werdenden Veränderungen in der Agrarlandschaft können jedoch viele Arten nicht mehr mithalten und verlieren zunehmend ihre Lebensgrundlagen.
In Folge dessen sind nicht nur massive Bestandseinbrüche bei den Offenlandvogelarten, sondern beispielsweise auch bei vielen Insektenarten und Ackerwildkräutern zu beobachten. Diese schleichende, nicht auf den ersten Blick erkennbare Entwicklung nimmt in den letzten Jahren immer stärkere Ausmaße an.
Als Ursachen für die Artenrückgänge und dem damit verbundenen Verlust an biologischer Vielfalt gelten – neben Flächenverlusten und Lebsraumzerschneidungen durch Siedlungsentwicklung und Verkehrswegebau – die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung (Schlagflächenvergrößerung, Einsatz von Dünger- und Pflanzenschutzmitteln etc.) und vor allem der damit verbundene Verlust an Kleinstrukturen und Grenzlinien in der Agrarlandschaft, wie Ackerraine, Grünwege, Weg- und Feldränder und Brachflächen, welche für viele Offenlandarten unverzichtbare Nahrungs- und Bruthabitate darstellen.

Ausgehend von den zu verzeichnenden Bestandesrückgängen wurde auf Initiative der unteren Naturschutzbehörde zwischen 2000 und 2002 eine landkreisweite Erfassung der Feldbrüterbestände auf repräsentativen Teilflächen durchgeführt. Demnach wurden der Rebhuhnbestand auf ca. 300 Paare und der Bestand der Feldlerchen auf 4.500 Paare geschätzt sowie das Vorkommen der Schafstelze mit rund 450 Paaren als von landesweiter Bedeutung bewertet.
Auf Grundlage der Erfassung wurden die Bereiche im Landkreis, die eine hohe, mittlere oder zumindest geringe Bedeutung als Lebensraum für Offenlandbrüter haben kartiert (siehe nebenstehende Übersichtskarte).
Schwerpunkte der Offenlandbrütervorkommen befinden sich demnach in den weitläufigen Ackerbaugebieten im Strohgäu, im Weitfeld zwischen Vaihingen/Enz und Sachsenheim sowie in Bönnigheim, dem unteren Bottwartal und in Erdmannhausen.

Eine Wiederholungskartierung auf Stichprobenflächen in 2013 ergab einen Rückgang beim Rebhuhn um rund ein Drittel des Bestandes in diesem kurzen Zeitraum. Bestandsrückgänge sind vor allem in Sachsenheim, bei Ditzingen, im Einzugsgebiet des Bottwartales und bei Bönnigheim zu verzeichnen. Zudem sind die Bestände von Grauammer und Kiebitz inzwischen vermutlich völlig erloschen.

Trotz der massiven Bestandsrückgänge steht der Landkreis Ludwigsburg jedoch mit ca. 10 % des landesweiten Rebhuhnbestandes bislang noch vergleichsweise gut da und hat damit eine besonders hohe Schutzverantwortung.

In enger Kooperation mit der Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörde, dem Bauernverband und den Naturschutzverbänden sowie der Kreisjägervereinigung engagiert sich der LEV Ludwigsburg im Rahmen der „Allianz für Niederwild“ (siehe Kooperationspartner) für die Lebensraumaufwertung für Feldbrüter und anderen Arten des Offenlandes – und damit für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in der landkreisprägenden Agrarlandschaft.